Dem Leben wieder die Zähne zeigen ...

Die moderne Zahnimplantologie

"Lebensqualität" ist heute in aller Munde ? doch häufig leider nur im übertragenen, nicht im konkreten Sinne: 86 Millionen DM geben die Bundesbürger jährlich für Haftcremes aus ...

Nicht zufällig verknüpft sich beiden allermeisten mit dem ängstlichen Gedanken ans Alter die Vorstellung von Zahnlosigkeit bzw. bizarranmutenden Gebissen, die einsam im trüben Wasserglas auf dem Nachttisch schweben. Schöne, kraftvolle Zähne sind nun einmal das Aushängeschild für Jugendlichkeit und Schönheit, aber auch für Tatkraft, Sicherheit, Selbstbewusstsein, Vitalität und damit Eintrittskarte für alle wesentlichen Lebensbereiche. Wenn jemand "seinen Biss " verloren hat, wird nicht nur das Selbstbild "wacklig ", er büßt dadurch eben auch an Attraktivität für andere ein, gerät ins gesellschaftliche Abseits, beruflich wie privat. Das gilt auch bereits in jungen Jahren. Sympathien und "Ausstrahlung " gewinnen wir durch unser strahlendes Lächeln; um sich Anerkennung zu verschaffen, ist es vor allem heute oftmals notwendig, "die Zähne" zuzeigen.

Mit den allgemein gehobenen Ansprüchen an die Lebensqualität sind aber auch die medizinischen und technischen Möglichkeiten gestiegen. Gerade im Bereich der modernen Zahnmedizin sind hinsichtlich der Alternativen zum klassischen Zahnersatz Neuerungen zu verzeichnen, die einem Quantensprung gleichen.

Orthopress hat hierzu den Kölner Zahnarzt und Oralchirurgen Dr. Martin Schneider befragt, der sich im "Feldzug gegen die Dritten" - insbesondere auf dem Gebiet der Zahnimplantologie spezialisiert hat.

Herr Dr. Schneider, ein Hauptaugenmerk Ihrer Arbeit haben Sie auf den Zahnersatz durch Implantate gerichtet.
Wie kommt es zu dieser Spezialisierung?

Meine persönlichen Schwerpunkte liegen bereits von meiner Ausbildung in der Kieferchirurgie her im operativen und ästhetischen Bereich. Die Zahnimplantologie selbst ist ein Äußerst komplexes Gebiet, das neben einer fundierten fachlichen Qualifikation und ständiger Weiterbildung auch hohe technische Fertigkeiten erfordert und von daher eine Spezialisierung nahezu unumgänglich macht. Dabei ermöglicht mir eine besondere Teamworkstruktur, eine zugleich umfassende und optimierte Behandlung für jeden einzelnen Patienten und ? auf der Basis einer entsprechenden apparativen Ausstattung ? nicht zuletzt auch High?Tech?Behandlungen in Kombination mit naturheilkundlicher Medizin anzubieten.

Welche Bedeutung kommt der Naturheilkunde in ihrem Konzept zu?

Ihre vielfältigen Anwendungen dienen hier vor allem dazu, Beschwerdebilder nachhaltig zu reduzieren sowie die Wundheilung positiv zu beeinflussen, d.h. zu beschleunigen. Bei unserem ganzheitlichen Ansatz generell machen wir natürlich nicht bei der Ästhetik der Zähne Halt. Schließlich geht es auch um eine perfekte Funktion und die Gesundheit des gesamten Organismus.

Das erfordert sicherlich auch eine Reihe von Untersuchungen?

Eine seriöse und erfolgsorientierte Zahnimplantologie bedarf immer auch einer sehr guten Vordiagnostik. Es gilt den Allgemeinzustand des Patienten zu untersuchen; chronische Entzündungen vor allem im Bereich des Kieferknochens müssen ausgeschlossen werden. Hinzu kommen eine exakte Röntgendiagnostik, bei welcher Quantität und Qualität des Knochens bestimmt werden, eine genaue Analyse der Zahnabdruck?Modelle sowie ggf. die Verfahren der Applied Kinesiology, etwa um Einflüsse der Bisslage auf den gesamten Bewegungsapparat und Organismus auszutesten. Vor dem Eingriff werden außerdem exakt Länge und Position der einzubringenden Implantate bestimmt und entsprechende Bohrschablonen angefertigt.

Worin ist eigentlich der entscheidende Unterschied der Implantate im Vergleich zu Prothesen oder Brücken zu sehen?

Im Grunde wird das Übel, der Zahnverlust, beim herkömmlichen Zahnersatz im wörtlichen Sinne nicht an der Wurzel gepackt. Es werden ja nur die sichtbaren Zahnkronen ersetzt ? mit entsprechenden Folgen für die Lebensqualität solcher Patienten hinsichtlich Ästhetik, Funktion und biologischer Verträglichkeit. Auch kommt es hier im Regelfall zur Knochenrückbildung. ? Die Zahnimplantate, die die biologische Funktion der natürlichen Zahnwurzel übernehmen, haben eine Schraubenwindung, anhand derer sie unmittelbar im Knochen selbst eingebracht werden. Dadurch wird eine primäre Stabilität hergestellt ?mit dem Ziel, dass das Implantat mit dem Knochen fest verwächst, um den Kaukräften ? den höchsten in unserem Körper überhaupt ? dauerhaft Stand zu halten. Entscheidend dabei ist, dass diese Kräfte gleichmäßig verteilt werden und derart stimulierend auf den Knochen einwirken. Zur festsitzenden Versorgung des zahnlosen Patienten z.B. werden daher realistischerweise im Oberkiefer 8 Implantate, im Unterkiefer 6 benötigt, bei noch vorhandenen Zähnen bzw. zur Verankerung von herausnehmbaren Prothesen entsprechend weniger. Das Gewebe, d.h. Zahnfleisch und Knochen bleiben ? wie gesagt ? durch die Dentalimplantate erhalten. Beim klassischen Zahnersatz müssen demgegenüber sogar die gesunden Nachbarzähne beschliffen werden.

Toleriert denn der Körper so ohne Weiteres die Kunstzähne?

Ich verwende Implantate aus reinem Titan. Nicht zuletzt per AK lässt sich nachweisen, dass sich hieraus keinerlei Unverträglichkeiten oder Allergien entwickeln. Die oft geäußerte Furcht vor Abstoßreaktionen ist hier völlig unbegründet. Wenn es zum Implantatverlust kommt, dann auf Grund von Behandlungsfehlern, wenn etwa die Statik bei der Positionierung der Implantate nicht richtig berücksichtigt wurde, oder im Rahmen von Entzündungsprozessen ? wegen mangelnder Pflege oder fehlerhafter Diagnose. ? Das Rein-Titan-Implantat besteht aus der sog. Zahnwurzel, der Schraube, und einem Adapter, einem Aufsatz, der das Implantat mit der späteren Krone verbindet. Die Krone selbst, die von Farbe, Form und Biss her individuell hergestellt wird kann etwa aus reinem Keramik sein, das ebenfalls sehr gut verträglich ist oder aus Titan bzw. einem hochgoldhaltigen Gerüst, das dann ebenfalls keramisch verblendet ist. Derart ist das Zahnimplantat von einem natürlichen Zahn nicht zu unterscheiden.

Muss der Patient bei einer solchen Operation starke Schmerzen in Kauf nehmen?

Bei dieser in aller Regel unter Lokalanästhesie durchzuführenden OP handelt es sich überwiegend um einen mikrochirurgischen Eingriff mittels extrem feiner, atraumatischer Instrumente, die das Gewebe maximal schonen. Bei dieser Schlüssellochtechnik verwende ich entweder eine Lupenbrille oder ein spezielles, stark vergrößerndes OP?Mikroskop. Auch die Fäden, die zur Naht verwendet werden, sind z.T. feiner als Haare. Den meisten Patienten reicht ein einfaches Schmerzmittel nach dem Eingriff?, nach drei Tagen sind die feinen Nähte kaum noch zu erkennen.

Die Ausheilung des Behrlochs im Knochen dürfte sich aber über eine gewisse Zeit hinziehen?

Früher war es in der Tat so, dass Zahnimplantate im Unterkiefer 3 und im Oberkiefer 6 Monateeinheilen mussten. Auch durften die Implantate während der Einheilungsphase überhaupt nicht belastet werden. Das bedeutete ? im Oberkiefer ? letztlich ein halbes Jahr lang "Nulldiät". Das aber widerstreitet gänzlich unserer Philosophie. Oberstes Ziel unserer Arbeit hier ist es, dass der Patient mit einer erheblich gesteigerten Lebensqualität die Praxis wieder verlässt. Leider hat dieses Prinzip noch nicht in alle Praxen Einzug gehalten. So sind wir auf Grund unserer High-Tech Möglichkeiten dazu in der Lage, den Patienten noch am selben Tag, wo ihm die Zähne gezogen werden, mit festsitzenden Zähnen zu versorgen. Auch beim gänzlich zahnlosen Patienten: Und zwar kommen hier in Kombination mit den endgültigen Implantaten sog. temporäre bzw. provisorische Zahnimplantate zum Einsatz. Diese deutlich grazileren Schrauben werden direkt belastet, d.h. es wird bereits innerhalb der Operation eine Konstruktion, eine festsitzende Brücke oder Prothese oder Einzelkrone usf., aufgesetzt. Das gewährleistet, dass der Patient vom ersten Tag an gesellschaftsfähig ist.

Neben den temporären Implantaten steht uns optional ein weiteres Verfahren zur Realisierung dieser Prämisse zur Verfügung; Aus einer geringen Menge körpereigenen Bluts gewinnen wir ein Thrombozytenkonzentrat, das in einem hohen Maße Wachstumsfakoren enthält, welche ? an der Implantatstelle eingebracht ? die lokale Wundheilung enorm beschleunigen, d.h. den Zeitraum der Knochenheilung in etwa halbieren. Auch für evtl. Maßnahmen zum Knochenaufbau vor der Implantation bieten sich dadurch hervorragende Möglichkeiten.

Angesichts des hohen technischen Aufwands sicherlich keine "billige" Angelegenheit?

Die Kosten werden trotz der entscheidenden medizinischen Vorteile nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen Der Patient sollte realistischerweise pro Zahnimplantat und implantatgetragene Krone mit etwa 5000 DM rechnen. Die ternporären Implantate kosten dabei nur ungefähr ein Zehntel und verschaffen hier, insofern sie bis zu einem Jahr halten, einen gewissen finanziellen Planungsspielraum. Eine Investition also, die sich am Wert der persönlichen Liebensqualität bemisst?

Ja, und vor allem eine sichere. Denn bei entsprechender Indikationsstellung können wir von einer nahezu hunderprozentigen Erfolgsquote ausgehen. Die halbjährlichen Kontrollen erhöhen zudem die "lebenslängliche" Sicherheit des Implantat?Patienten.

Herr Dr. Schneider, haben Sie vielen Dank für das interessante Gespräch!

 

Copyright © 2000 · Grunewald-Dr.Rasche-Dr.Schneider · Stand: 23.06.2000   its